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Eine traumhafte musikalische Reise
Ulrike Dangendorf und ihr Akkordeon: „Schön, dass Sie mich begleitet haben..“
Täglicher Anzeiger Holzminden 29. Januar 2007
Bevern (kr). Es war ein sehr intimer Abend der leisen Töne: Ulrike Dangendorf und ihr Akkordeon nahmen die Zuhörer mit auf eine Reise zu fernen, aber auch greifbar nahen oder nur in der Phantasie existierenden Zielen, zu anderen Menschen und ihren Melodien und Musikwelten. In der besonderen Atmosphäre der Schlosskapelle, auf die sich die Künstlerin schon lange gefreut hatte, sprang der Funke zum Publikum sofort über. Programmblätter brauchte man an diesem Abend nicht, denn Ulrike Dangendorf erzählte anschaulich die Entstehungsgeschichte ihrer Kompositionen, ließ Bilder, Stimmungen und Gefühle nachempfinden und hören.
Diese Konzertreihe in der Schlosskapelle heißt „Gitarre, Folk et cetera“. Der Auftakt der neuen Saison mit Ulrike Dangendorf sollte dabei unter „et cetera“ eingeordnet werden, wobei es nicht für Beiläufigkeit steht, sondern für etwas ,das sich nicht einfach in ein Schubfach sortieren lässt, weil es einzig von der Persönlichkeit der Musikerin geprägt wird.
Bei allem Fernweh, das sich auch in ihrer Musik spiegelt, ist Ulrike Dangendorf ihrer Weserberglandheimat tief verbunden. Man spürt es, wenn sie erst in Worten und dann in ihrer „Ith-Suite“ von dem Höhenzug schwärmt, in dessen Schatten sie viele Jahre lebte. In ihrer Musik glaubt man sich auf dem Kammweg zwischen Klippen, Buchenwald und Wiesen an einem Frühlingstag im März. Ihr „russisches Tagebuch“ spiegelt Stationen einer Russlandreise, die laute Gegenwart ebenso wie die Stille auf dem Lande, seine Weite bis zur Folklore. Und dass Ulrike Dangendorf die Melodik, die Rhythmik, die Lebensfreude und Melancholie der slawischen Musik bis hin zu den Anklängen von Klezmer besonders liebt, das war einfach nicht zu überhören.
Aber sie kann auch ganz anders. Virtuos wirbelten ihre Finger über die Tasten und Knöpfe ihres Instrument, wenn sie „etwas Einfachen“ bieten wollte, etwa die Liebeslieder, die ihren Ursprung in Finnland oder der Türkei hatten, oder die Erlebnisse in „S-Bahn Linie 1“, oder wenn sie sich selbst einen Wunsch erfüllen wollte mit „Happy birthday, Kilian!“, das sie ihrem Sohn gewidmet hatte.
Sie hat nichts dagegen, wenn man ihr Instrument als Schifferklavier bezeichnet, weil das ja nicht nur seinen Ursprung deutet, sondern sein Klang sie an das Spiel der Wellen erinnert. In „Gezeiten“ hielt sie diese Stimmung fest und ließ sich von solchen Wellenmelodien ins Shakespeareland, in die Irrungen und Wirrungen von „Was ihr wollt“ tragen. Sie ließ Erinnerungen an Erlebnisse auf einem süditalienischen Markt lebendig werden, machte das „Erwachen des gläsernen Vogels„ hörbar und entlockte „So gegen 21,30 Uhr“ Musette-Walzerklänge ihrem Instrument.
Danke dass Sie mitgekommen sind auf diese Reise“ – Ulrike Dangendorf fand den Konzertabend im Schloss selbst wundervoll und sagte das musikalisch mit ihren Erinnerungen an ein Festival in Rudolstadt. Und weil der Beifall auch dann nicht aufhören wollte, nachdem Ruth Happel verantwortlich für diese Konzertreihe in der Schlosskapelle – den Blumenstrauß überreicht hatte, gab es eine Zugabe. „Sie wussten sicher, dass ich zwei Kinder habe“, vermutete Ulrike Dangendorf und spielte ihre Komposition „Für Mieke“ bevor sie das schwere Instrument demonstrativ auf die Bühne stellte und sich vor einem Publikum verneigte, das diesen Abend dankbar genossen hatte.
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Sie nahm mit ihrem Akkordeon ihre Zuhörer mit auf eine phantastische musikalische Reise. Ulrike Dangendorf gastierte gern in der Schlosskapelle. |
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