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Ein ganzes Orchester in den Armen
Musikerin Ulrike Dangendorf erzählt Geschichten auf ihrem Akkordeon
Brigitte Rademann,
Kreiszeitung Wesermarsch
12. Juni 2007:
Seefeld. „Musikalische Reise zwischen Traktion und Eigensinn“ nennt Ulrike Dangendorf ihr Programm. Zu ihrem Konzert in der Seefelder Mühle brachte die Geschichtenerzählerin und Musikerin ihr Akkordeon mit. Und schnell merkten die Zuhörer: Da haben sich zwei gefunden, die gern gemeinsam auf Reisen gehen.
Für die preisgekrönte Musikerin und Komponistin scheint es kein anderes Instrument zu geben, das diese Bandbreite beinhaltet. Sie erzählt musikalische Geschichten vom Leben und seinen Empfindsamkeiten, von Reisen durch ferne Länder und vom pulsierenden Leben der Großstädte mit ihrem hektischen Treiben. In Eigenkompositionen beschreibt sie auch die Magie der Landschaften, die sie bereist hat oder lässt in ihrer Musik die Geister eines alten Hauses auferstehen.
Die Konzertbesucher ließen sich von der eindrucksvollen Atmopshäre durch die Akkordeonklänge und den lebhaften Schilderungen gefangen nehmen. Die zierliche Frau mit der Vielstimmigkeit eines Orchesters im Arm beherrscht ihr Instrument virtuos. Sie ist eine Künstlerin, die auf Intuition baut. Die Tradition beschreibt die Musikerin aus Hameln durch ihre besondere Vorliebe für Klezmer-Klänge, den ausgelassenen Rhythmen des Balkans und den melancholischen Volksweisen aus Russland.
Leichte Arrangements sind nichts für die Musikerin, sie mag es facettenreich und kompliziert, und sie liebt das Improvisieren. Ohne Hilfestellung überlässt sie die Zuhörer jedoch nicht der musikalischen Fährtensuche. Sie führt in jedes Stück bildreich erklärend ein, benennt Orte der Entstehung und Quellen der Inspiration.
„Linie 1“ ist die Umsetzung in Noten einer zwiespältigen Auseinandersetzung in der Berliner S-Bahn. Lange Zeit hat sie in einem Haus am Ith gewohnt, in der „Ith-Suite“ lässt sie die Hausgeister polternd oder zart wie Spinnenweben durch die Gemäuer ziehen. Dabei wechselt ihr Mienenspiel, mit geschlossenen Augen wiegt sie ihr Instrument und scheint dessen Gewicht mit den leichten Tonfolgen aufzuwiegen.
Mit ihrem tastenbewehrten Blasebalg macht sie das Unhörbar hörbar, beschreibt Farben, Gerüche und Stimmungen. Die mit reichlich Auszeichnungen belobigte Komponistin beeindruckte durch ihr flinkes Fingerspiel auf dem Schifferklavier und wuchs mit ihrem Instrument über sich hinaus. Ihr zufriedenes Lächeln teilte die außergewöhnliche Künstlerin mit ihrem Publikum, das ihr begeisterten Applaus schenkte.
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